Tonsilben als Merkzeichen

 

  • Kennen Sie die Notenschrift?
  • Ja?  Sehr gut!  
  • Nicht?  Kein Problem!  
  • Es gibt eine einfache Lösung Musik zu notieren,  die Tonsilben.
     

Unsere Musik hat stufenförmige Strukturen. In der Musik gibt es sieben, oft verwendete Tonstufen, die Haupt-Tonstufen. Man kann diese Tonstufen mit bestimmten Silben benennen bzw. verknüpfen.  
Also, es gibt sieben Tonsilben, diese sind in der Reihenfolge:  
1. = Do  2. = Re  3. = Mi  4. = Fa  5. = So  6. = La  7. = Ti.

 

Wozu braucht man die Tonsilben überhaupt?

 

Dadurch, dass die Tonsilben immer mit einer bestimmten Tonstufen verknüpft sind, bieten sie für unser Gehör einen fixen Ausgangspunkt. Tonsilben und Tonstufen bilden ein geordnetes System. So können die Tonsilben als Merkzeichen dienen. Die Tonsilben stehen immer für eine bestimmte Tonstufe. Wichtig ist, dass Sie verstehen, warum Sie die Melodien mit den Tonsilben singen sollen.

 

Weil die Struktur und die Tonstufen der Melodien erst so sichtbar und verständlich werden. Die Möglichkeit, eine Melodie mit Hilfe der Tonsilben und der Schrift sichtbar zu machen, zeigt uns, wie die Töne in einer Melodie zusammengemischt werden.

 

Die besondere didaktische Wirkung der Tonsilben wird erst deutlich, wenn man sie anwendet. Sie ermöglichen unbewusstes Lernen. Wenn Sie regelmäßig mit Tonsilben bekannte Melodien singen, kommt es automatisch zum Umkehrschluss. Das heißt: Sie hören eine Melodie und assoziieren mit den Tönen sogleich die entsprechenden Tonsilben. So lernen Sie ohne bewusste Anstrengung, Tonfolgen, die sie hören, auch zu benennen.

 

Bei der relativen Solmisation, werden die Tonsilben für die sieben Stufen der aktuellen Tonart verwendet. Demzufolge wird also eine Melodie in verschiedenen Tonarten mit den gleichen Tonsilben gesungen und behält so auch textlich ihre Eigenart.

 

In Ungarn in der USA wird viel mit Tonsilben gearbeitet. Die Folge: Jugendliche, die bloß eine Grundschule absolviert haben, sind in der Lage, Melodien vom Blatt zu singen. Eine Leistung, die bei uns höchstens Musikstudenten vollbringen.

 

"Jeder musikalische Elementarunterricht, der sich einer Tonsilben-Methode bedient, bedient sich ihrer-freilich ohne sich immer darüber klar zu sein, womit da operiert wird." - Schreibt Victor Zuckerkandl (Musikwissenschaftler und Dirigent) in seinem Buch; "Die Wirklichkeit der Musik".

 

Aber wie können Sie bekannte Melodien nach Tonsilben singen?

 

Ganz einfach: Tonsilben eignen sich nämlich auch als Merkzeichen. Sie können Melodien ganz ohne Notenkenntnis niederschreiben und wieder lesen. Die Tonsilben werden jetzt mit einer Melodie, die Sie schon gut kennen, verbunden. „Alle meine Entchen“ lautet: Do Re Mi Fa So So. Denken Sie an „Alle meine Entchen“ und versuchen Sie die Melodie, statt den Text, mit den Tonsilben zu singen. 

 

Sie werden feststellen, dass sich die Länge der Noten ändert, wenn die Melodie die die fünfte Tonstufe  „So“ erreicht. Wir benötigen also noch einige Zeichen, um die Töne nicht nur ihrer Höhe nach, sondern auch ihrer Länge nach zu bezeichnen. Dazu habe ich mir ein System ausgedacht, das nur wenige Zeichen verwendet und intuitiv erfassbar ist.

 

Stellen Sie sich vor, sie hören Musik und schnippen mit dem Finger dazu oder wippen mit dem Fuß dazu. Dann gliedern Sie, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist, die Melodie in gleichmäßige Zeitabschnitte.  Ich nenne diese Einschnitte „Zähl-“ oder „Schlagzeit“. Um die Zählzeiten anzuzeigen, verwende ich ein Zeichen, das so einfach ist, dass wir es als Zeichen gar nicht wahrnehmen: den Abstand. Soll eine Note länger als eine Zählzeit klingen, so schreibe ich den Vokal doppelt: Doo oder Soo.

 

Do Re Mi Fa Soo Soo   La La La La Soo ...

 

Versuchen Sie ruhig jede Zählzeit mit dem Finger zu schnippen oder sonst irgendwie zu klatschen oder zu klopfen. Singen Sie die oben abgebildeten Tonsilben. Achten Sie darauf, dass das „So“ jetzt zwei Zählzeiten lang erklingt:

 

1    2

So o

 

Auf das letzte „So“ folgt "etwas", wofür wir noch kein Zeichen haben. Musik besteht nicht nur aus Tönen, die anklingen, sondern auch aus Tönen, die abklingen oder vorübergehend gar nicht erklingen. Dieses kurze Aussetzen der Musik bedeutet nicht die Abwesenheit der Musik.

 

Im Gegenteil: die vorübergehende Stille, auch „Pause“ genannt, ist wesentliche Bestandteil der Musik. Die Pause ist auch keine Erfindung der Kunst, sie ist ein allgegenwärtiges Naturphänomen. Wenn wir sprechen oder singen, müssen wir irgendwann Luft holen, also eine Pause einlegen. 

 

Pausen werden in der Musik vorgeschrieben, so wie die Noten,  Die Länge der Pause ergibt sich wie die Länge der Tonsilben. Steht eine Pause alleine, also durch X markiert, so dauert sie genau eine Zählzeit. Soll eine Pause zwei Zählzeiten andauern, so folgten zwei XX. Jetzt sind wir in der Lage die ganze Melodie zu notieren:

 

4 | Do Re Mi Fa | Soo Soo | La La La La | Soo xx | La La La La | Soo xx | Fa Fa Fa Fa | Mi Mi | So So So So | Doo ||

 

Die Hörerfahrung, die Sie beim Singen des Kinderliedes gemacht haben und die Erkenntnis, dass eine Melodie nicht durch die Tonhöhen alleine, sondern auch nach Tonstufen definiert wird, sind wesentlich. Diese Tatsache zu kennen und zu verstehen ist die Voraussetzung dafür, weitere grundlegende Begriffe der Musik besprechen zu können.

 

Ein Abschnitt, der zu wiederholen ist, muss nicht zweimal angeschrieben werden, es genügt, ihn mit Doppelpunkten zu flankieren. Auch in der gängigen Notenschrift gilt der Doppelpunkt als Wiederholungszeichen:

 

||: La La La La | Soo :||

 

Da eine Wiederholung in der Musik nicht immer streng zu Ende geführt wird, ist ein Zeichen sinnvoll, das den Absprung aus der Wiederholung kennzeichnet. Ich verwende dafür ein Sternchen, weil es leicht sichtbar ist.

 

|: A * | B : |...

Ist das gleiche wie:

| A | B | A |...

 

Die Buchstaben stehen für ganze Formabschnitte. Häufig findet man den Fall, dass eine Melodie erst im zweiten Anlauf endet. Das heißt, eine Melodie endet fast, wird wiederholt, endet dann jedoch ganz. Ein Beispiel, das jeder kennt, ist Beethovens „Ode an die Freude“:

 

4 | : Mi Mi Fa So | So Fa Mi Re | Do Do Re Mi * | Mi =Re Re = : | Re =Do Do = |

 

Geht eine Melodie über den 7. Ton „Ti“ hinaus in den 8. Ton (= 1.) „Do“, also in die Oktave des Grundtones, so muss der Oktavwechsel angezeigt werden. Man kann den Oktavwechsel ganz elegant lösen, indem man über oder unter die betroffene Silbe einen  Strich setzt. Einen Oktavwechsel nach unten zeige ich mit einem Strich unten ( Do,  nach unten an ( , ), einen Oktavwechsel nach oben mit einem Strich nach oben ( ´ ).    

 

Ein Beispiel, wenn eine Melodie gleich mit einem Oktavsprung beginnt, wie das in der Melodie „Over the Rainbow“ der Fall ist:

 

4| Doo Doo´ | Ti So La Ti Do´ | Doo Laa | Soo ... usw.

 

Zur Veranschaulichung eine kleine Sammlung bekannter Melodien:

 

Europahymne

Freude schöner Götterfunke (Beethoven)

 

4| Mi Mi Fa So | So Fa Mi Re | Do Do Re Mi *| Mi =Re Re = : |

| Re =Do Do = | Re Re Mi Do | Re MiFa Mi Do | Re MiFa Mi Re |

| Do Re <So = | >Mi Mi Fi So | So Fi Mi Re | Do Do Re Mi |

| Re =Do Do = ||.

 

Man sagt, dass der Mönch Guido von Arezzo die Idee gehabt hat, die verschiedenen Tonhöhen mit Hilfe von Linien darzustellen und gleichzeitig die Töne mit Tonsilben zu benennen. Der Ton, der höher erklingt, wird mittels der gezeichneten Linie oberhalb von ihr, also höher dargestellt. Der, der tiefer erklingt, wird unterhalb von ihr, weiter unten dargestellt.

 

Wenn wir diese Positionen noch mit den Tonsilben verknüpfen, dann können wir Musik notieren und ihr Struktur verständlich machen. 

 

Das ist Musik für das Auge: eine Melodie, grafisch dargestellt. So werden die Strukturen und Zusammenhänge leichter erkennbar. 

 

Tonsilben Notation
Tonsilben Notation

 

 

Wenn Sie mehr über die Tonsilben, Notenschrift und deren konkrete Anwendung in der Musik erfahren wollen, empfehle ich das Buch:  Musik für alle!

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